Nach den letzten Tagen Vorbereitung, die wir neben Twi Lernen,
eigentlich nur mit schlafen und essen verbracht haben, war am Mittwoch unser
erster Tag im Kinderheim. Nataly, eine von uns vier Freiwilligen war leider in
einem anderen Kinderheim zugeteilt, als wir anderen drei. Weshalb wir uns, als
wir uns grade auf den Weg gemacht hatten, nach 5 Minuten schon von ihr verabschieden
mussten. Während ihr Weg aus 20 Minuten laufen plus Taxi fahren und wieder
laufen bestand, mussten Kevin, Emma und ich uns auf das Abenteuer begeben das
erste Mal alleine Trotro zu fahren. Trotros sind umgebaute Kleinbusse, in denen
knapp 14 Leute Platz finden würden, das Prinzip der Trotros besteht aber eher
darin so viele Menschen wie möglich auf eine Bank zu quetschen. Wir drei standen
nun also an der Trotro Station und warteten auf das nächste Trotro, dass uns
zum Kinderheim bringen würde. Wie zu erwarten war erwischten wir an unserem
ersten Tag natürlich das falsche Trotro, was uns aber erst nach einiger Zeit
auffiel, so hieß es für uns, aussteigen und weiter ging es in einem Tuktuk
artigen Fahrzeug, ohne Seitenwände und natürlich wie praktisch jedes Fahrzueg
hier… ohne Sitzgurte, was uns drei für 10 Cedi, umgerechnet knapp 1,40, zum
Kinderheim brachte.
Glücklicherweise noch knapp vor 9 Uhr angekommen, begaben
wir uns in das Office, wo uns die Sekretärin erst einmal von ihrer Verlobung
erzählte und uns kurzerhand auf ihre Hochzeit einlud. Nach kurzer Zeit kam dann
unser Guide um die Ecke, lustigerweise ein uns bekannter Guide, namens „Eric“,
den wir schon ein paar Tage zuvor in einer Bar bei uns im Ort kennen gelernt
hatten. Ihn als Guide zu bezeichnen wäre allerdings zu viel gesagt. Nachdem er
uns einmal kurz durch alle drei Häuser geführt hatte, das Mädchenhaus, die
Nursery und das Home Unit, in dem auch Eric und Maxwell, eine andere
Barbekanntschaft lebten, ging es auch schon los. Emma wurde dem Mädchenhaus
zugeteilt, Kevin der Nursery und ich selber wurde zum Home Unit geschickt.
Schon auf meinem Weg von Office dorthin hörte ich schon die Kinder rufen „Obruni,
Obruni“, die Bezeichnung hier für alle hellhäutigen Menschen.
An diesen Begriff mussten wir uns schon direkt die ersten
Tage gewöhnen, denn so wird man anfangs, wenn die Leute deinen Namen nicht
kennen von jedem genannt. Hauptsächlich die Kinder, aber auch Erwachsene rufen
dir auf der Straße hinterher und winken dir zu, wollen sich mit dir
unterhalten, Telefonnummern austauschen oder ein Foto mit dir machen. Anfangs
mag das ziemlich ungewohnt sein, aber dennoch gewöhnt man sich ziemlich schnell
daran, vor allem wenn man die glücklichen Gesichter der Kinder sieht, wenn man
ihnen zurück winkt oder „Hello“ ruft. Für mich der schönste Moment bisher war am
Dienstag, als wir grade die Straße entlang liefen und ein Vater mit seinem kleinen
Sohn an mir vorbeilief, aber kurz hinter mir stehen blieb und „Obruni“ rief.
Natürlich drehte ich mich aus Freundlichkeit um und sah, dass der Vater mich zu
sich winkte. Auf Englisch erklärte er mir, dass sein Sohn behindert sei und
sehr schüchtern, aber mir unbedingt hallo sagen wollte. Langsam ging ich auf
den kleinen Jungen zu und streckte die Hand aus, dieser kam zögerlich auf mich
zu und nahm meine Hand, als ich dann Hallo zu ihm sagte, breitete sich ein riesiges
Lächeln über seinem Gesicht aus und sein Vater bedankte sich mehrmals bei mir.
Diese lächelnden Gesichter sah ich auch am Mittwoch im Kinderheim, als einige Kinder direkt angerannt kamen, meine Hand halten, auf den Arm genommen werden wollten oder sich an meine Beine hingen. Im Home Unit sind knapp 30 Kinder untergebracht, unter ihnen auch ein paar Behinderte, alle im Alter zwischen einem Jahr und 26 Jahren. Das Kinderheim an sich hat neben den drei Häusern noch eine Library, in der sich gespendete Bücher, sowie Spielzeuge befinden und einen Computerraum, in dem sich 10 Computer befinden, an denen die Kinder Rechtschreibung und Rechnen üben, Malen/Zeichnen und Solitaire spielen können. Dort verbrachte ich mit den Kindern auch den Vormittag und war hauptsächlich dabei vorzulesen, Kinder hochzuheben und den Streit zwischen den Kindern zu schlichten, wenn einer dem anderen das Spielzeug weggenommen hatte. Um 12 Uhr dann mussten die Kinder zum Lunch in ihre jeweiligen Häuser und sich im Essensraum einfinden, wo auch schon eine der Hausmütter mit einem großen Topf an gekochten Yam Wurzeln und einer scharfen Sauce aus Gemüse und Fleisch wartete. Meine Aufgabe war es nun die ganz kleinen Kinder mit einem Brei aus den zerstampften Yam und der Sauce zu füttern, das ganz ohne Besteck und auch nur mit der rechten Hand, da die linke Hand in Ghana als schmutzig gilt. Während ich mit der rechten Hand versuchte den Brei zusammen zu kneten und die vier Kleinen damit zu füttern, war ich mit der linken Hand dabei, die Kinder davon abzuhalten sich mit Essen zu bewerfen. Nachdem das Füttern mehr schlecht als Recht geklappt hat, aber dennoch letztendlich jedes Kind satt war, mussten die Kleinsten unter ihnen ausgezogen, gewaschen, aufs Töpfchen gesetzt und dann wieder angezogen werden. Nebenbei wurde ich dann noch beauftragt die Wäsche zu waschen, natürlich mit der Hand, was sich trotz Kernseife und ewigem Rubbeln als ziemlich schwierig erwies. Nachdem nun jedes der Kinder wieder angezogen und die nasse Wäsche auf dem Boden zum Trocknen ausgelegt war, versuchte ich mich etwas mit den anderen Kindern zu befassen. Nach einer weiteren Stunde spielen und einer Pause, wo Emma, Kevin und ich uns kurz zurückzogen um ungestört über den ersten Tag zureden, machten wir uns gegen 14 Uhr auf den Nachhauseweg und beendeten somit unseren ersten Tag im Kumasi Childrens Home.